Missbrauchsvorwürfe in der r.k. Kirche: Dramatische Wendung Opfer überlebte nur knapp Selbstmordversuch

in Presse

Mit einer traurigen Wende endet vorerst der jüngste Missbrauchsskandal der röm. kath. Kirche in Österreich: Mirjam (Name geändert) – jene Frau, die Missio-Chef Leo Maasburg sexuellen Missbrauch vorgeworfen hat und Kardinal Schönborn Mitwisserschaft – wollte sich am vergangenen Donnerstag, den 7.Juli 2011, das Leben nehmen.

Auslöser für die Verzweiflungstat war die offizielle kirchliche Reaktion („Vorwürfe ohne Fundament“) auf die Zurücklegung der Anzeige, die Mirjam gegen die hochrangigen Kirchenvertreter bei der Staatsanwaltschaft eingebracht hatte. Die Behörde hat wenige Tage nach erfolgter Sachverhaltsdarstellung bekanntgegeben, dass sie die Anzeige gegen den beschuldigten Geistlichen nicht weiter verfolgen wird, da abgesehen von einer Verjährung der Tatbestand der sexuellen Nötigung „schon objektiv nicht erfüllt sei.“ Die Betroffene wurde davon bis heute nicht verständigt.

„Es gibt keine Gerechtigkeit“
Durch großes Glück und sofortigen Einsatz der behandelnden Notfallärzte konnte das Leben der 45-jährigen Frau gerettet werden. In einem Abschiedsbrief, der in ihrer Wohnung gefunden wurde, bekräftigt sie die Vorwürfe gegen ihren (lt. ihren Angaben) ehemaligen Beichtvater, Seelenbegleiter und zeitweisen Dienstvorgesetzten Maasburg. Ebenso an Kardinal Schönborn, den sie 1994 in einem eineinhalbstündigen Gespräch über die Vorfälle informiert hatte mit der dringenden Bitte, etwas gegen die sexuellen Übergriffe zu unternehmen – was er ihr zwar versprach, aber nie tat.

„Es gibt keine Gerechtigkeit. Alles was ich über Maasburg gesagt habe, stimmt. Vor Gott wird er das, was er mir angetan hat, nicht verschweigen können. Auch Kardinal Schönborn wird sich verantworten müssen, dass er mir nicht geholfen hat. Frau Klasnic und der Kommission danke ich für die Therapie. Aber dass sie dann nicht weiter zu mir gestanden sind, ist traurig“, so die verzweifelte Frau im Abschiedsbrief.

Zu seinen Taten stehen
Ausdrücklich bedankte sie sich für den Mut und Anstand von Franziskaner-Pater Wolfgang H., der an ihr als 17-Jährige im Vatikan und später auch in Österreich sexuelle Übergriffe getätigt hatte. Er hatte ein handschriftliches Schuldeingeständnis verfasst und sich ehrlich entschuldigt. Auch wenn dieser dann seine Entschuldigung in einem neuerlichen Schreiben, verfasst auf dem Briefpapier der Diözese Innsbruck, wieder zurücknahm. In einer ihrer letzen e-Mails vor der Tat schrieb Mirjam: „Es ist ohnehin alles weitere sinnlos, denn jetzt stehe ich noch als Lügnerin da und M (Anm. Msrg. Leo Maasburg) hat seinen Triumph, obwohl er die Unwahrheit gesagt hat und zwar in allen diesen Punkten. Er hat halt doch die ganze Macht der Kirche hinter sich.“

Tiefe Betroffenheit und Anteilnahme
Mirjam wollte nur Wahrhaftigkeit und eine Entschuldigung von Msrg. Maasburg und Kardinal Schönborn. Dafür kämpfte sie viele Jahre innerhalb der Kirche. Die beiden hochrangigen Kirchenvertreter leugneten jedoch alles bis zuletzt. Das von Missio Austria/Leo Maasburg beauftragte und in Folge medial kolportierte „Ferngutachten“ von Univ. Prof. Peter Hofmann, der bei der Betroffenen Stalking-Tendenzen und ein Borderline-Syndrom diagnostizierte, ohne sie je persönlich untersucht zu haben, hat Mirjam zutiefst verletzt. Dieses „Gutachten“ wird auch in Fachkreisen massiv kritisiert. „Mirjam hat in dieser dramatischen Situation unsere ganze Anteilnahme und Unterstützung.

Wir hoffen, dass sie schnell genesen wird. Ausdrücklich wollen wir uns bei den behandelnden Ärzten bedanken und bei jenen Personen, die an der Rettung mitgewirkt haben“, sagt Sepp Rothwangl, Sprecher der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt. Auch er hat seinerzeit als Folge seiner kirchlichen Missbrauchserlebnisse einen Selbstmordversuch nur knapp überlebt.

Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin Teresa Arrieta hat vor 2 Wochen ein Videointerview mit Mirjam gemacht, wo diese ihre Leidensgeschichte und ihren Weg aus der Opferrolle schildert:

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