Integral Umfrage: So denken die Österreicher über den Kirchen-Missbrauchsskandal

in Umfrage
  • Kein Vertrauen in kircheninterne Aufklärung der Übergriffe
  • Verjährung rückwirkend abschaffen
  • Eine Mehrheit würde ihre Kinder nicht einer kirchlichen Institution anvertrauen
  • Beendigung der bevorzugten Stellung der Kirche im Staat gefordert
  • Fast ein Million überlegen jetzt Kirchenaustritt

(Wien am 19.3.10, PUR) Erstmals seit Bekanntwerden der Vorfälle in der katholischen Kirche wurden die Österreicher in einer repräsentative telefonischen Blitz-Umfrage (300 Personen) befragt. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache:

Gerechtigkeit gefordert
Die Solidarität mit den Missbrauchsopfern ist sehr groß: Viele Menschen können nicht verstehen, dass fast alle Täter straffrei ausgehen. Selbst wenn ein Missbrauch nachgewiesen ist, werden die kirchlichen Täter, wegen der derzeitigen Verjährungsfristen nicht bestraft. Hier fordert eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung von 77%, dass die Verjährungsfristen rückwirkend abgeschafft werden. Eine Forderung, die Österreichs bekanntestes Missbrauchsopfer, Klaus Fluch voll unterstützt. „Es wäre jetzt nur anständig, wenn der Staat die unglaubliche Brutalität der priesterlichen Gewalt lückenlos aufklärt und die Verantwortlichen in der Kirche zur Rechenschaft zieht“. Klaus Fluch hat mit den mutigen Erzählungen seiner Erlebnisse als Erster in Österreich die Mauer des Schweigens gebrochen.

Vertrauen in die Kirche erschüttert
Bisher genoss die kath. Kirche in weiten Teilen der Bevölkerung ein hohes Ansehen. Hier zeichnet sich ein Einschnitt im Verhältnis zur Kirche ab. Die zunehmende Abkehr, welche in den letzten Jahrzehnten zu beobachten war, dürfte sich massiv beschleunigen. Für 38% der Menschen hat sich die Grund-Einstellung zur katholischen Kirche negativ verändert.
Wie tief das Vertrauen in die Kirche erschüttert ist zeigt sich auch bei der Frage, ob die Menschen ihre eigenen Kinder der Obsorge einer Einrichtung der katholischen Kirche anvertrauen würden. Eine Mehrheit der Bevölkerung von 56% kann sich dies nicht (mehr) vorstellen.

Zweifel an kircheninternen Untersuchungen
Wenig Verständnis bringen die Menschen auch auf, wenn es darum geht, dass die katholische Kirche die Vorkommnisse in ihrem Umfeld selbst aufklären soll. Nur 28% der Befragten glauben daran, dass Kirche die Vorfälle selbst aufklärt. Mehr als zwei Drittel (69%) hält das für unglaubwürdig. Ein klarer Auftrag an die Politik und Justiz einzuschreiten, so wie in anderen Ländern Westeuropas, bzw. so wie es in den USA bereits vor Jahren geschehen.

Die Bevölkerung erwartet ein entschiedenes Handeln der Politik
Eine Mehrheit von 51% verlangen nun, dass die starke Bevorzugung der kirchlicher Einrichtungen im Staat, basierend auf dem Konkordat von 1933 unterzeichnet von Kanzler Dollfuß abgeschafft wird. Hierzu gehören u.a. die Steuerbefreiung vieler Institutionen der Kirche, die Bezahlung der Religionslehrer und die Finanzierung kirchlicher universitärer Einrichtungen.

Austrittswelle rollt an
Während die Politik noch zögert Konsequenzen aus dem größten Missbrauchsskandal der Nachkriegsgeschichte zu ziehen, sieht ein großer Teil der Bevölkerung akuten Handlungsbedarf und will ein Zeichen setzen: 17% der rund 5,5 Mio Kirchenmitglieder dh. fast 1 Million überlegen jetzt einen Kirchenaustritt. Damit zeichnet sich die größte Austrittswelle seit Einführung der Kirchensteuer 1938 durch die Nationalsozialisten ab.

  • Suchen

  • Kinderschutzgebiet Schilder
  • Missbrauch melden!

    Melden Sie uns kirchliche Missbrauchstäter, ihre Helferhelfer und Vertuscher. Gerne auch anonym.
    vernetzung@betroffen.at

  • Spendenkonto

    Jede Spende hilft, Betroffenen zu helfen und das ganze Ausmaß der kirchlichen Verbrechen sichtbar zu machen.
    Bank Austria: BIC: BKAUATWW
    IBAN: AT80 1200 0515 1601 3719

  • Pressekontakt

    FJ PURKARTHOFER PR
    +43-664-4121491
    info@purkarthofer-pr.at

  • Medienservice

    Bitte Senden Sie uns eine Mail mit Name, Redaktion und telefonische Kontaktmöglichkeit. presse@betroffen.at
    Wir melden uns.