Karfreitags-PK

Opfer brechen ihr Schweigen – Missbrauch in der röm.-kath. Kirche

Dr. Werner Schostal, Rechtsanwalt und Schadenersatzexperte Wien
Dr. Manfred Deiser, Psychotherapeut, Mitinitiator „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“ (Beirat)
Klaus Fluch, Betroffener
Mag. Holger Eich, Psychologe, Fachgebiet: Gewalt gegen Kinder, kirchenunabhängige Hotline

Entschuldigungen und Demutsgebete reichen nicht –
Betroffene fordern Gerechtigkeit

(Wien, 2.4.10 PUR)


Taten statt Worte fordert die neue Selbsthilfe-Plattform „Betroffene kirchlicher Gewalt“. Opfer und interdisziplinäre ExpertInnen haben sich zusammengeschlossen. Sie geben sich nicht mit kirchlichen Schuldeingeständnissen zufrieden und mit der Gründung kirchlicher Anlaufstellen, die keinerlei Transparenz gewährleisten. Stattdessen erwarten sie sich rechtliche Verfolgung der Täter sowie Schadenersatz-Zahlungen.

Forderungen:

  • Unabhängige staatliche Kommission nach irischem Vorbild
  • Erfassung der Geschädigten und deren Vernetzung
  • Kostenübernahme von Psychotherapie solange wie notwendig, allenfalls lebenslang
  • Öffnung der geheimen Kirchenarchive für die Staatsanwaltschaft
  • Weitergabe aller Verdachtsfälle an die Justiz, auch durch die Kirchliche Ombudsstellen
  • Gründung eines kirchenunabhängigen Fonds
  • Angemessene Entschädigung der Opfer

Verjährungsfristen revidieren
Opfer-Anwalt Werner Schostal zweifelt daran, ob die Verjährung in Anbetracht des ungeheuren Ausmaßes der Verbrechen menschenrechtskonform ist: „Angesichts der immer noch bestehenden psychischen Schäden sind Verjährungsfristen in Frage zu stellen“, kündigt er an. Nach Ostern soll eine Vernetzung sämtlicher Betroffenen-Gruppierungen erfolgen, auch mit amerikanischen Opfer-Vereinigungen und Anwälten wird die Plattform kooperieren. Die Mitverantwortung des Papstes wird geprüft.

Hotline: Grausamkeit und Demütigungen
Über 150 Betroffene haben sich innerhalb der ersten 8 Tage bei der neuen unabhängigen Plattform-Hotline gemeldet. Erstes Fazit: es sind Buben ebenso wie Mädchen unter den Opfern, auch die Täter sind beiderlei Geschlechts. Die Anrufenden berichten von seelischer, psychischer und physischer Gewalt, von Sadismus, schwarzer Pädagogik, Machtmissbrauch und sexuellem Missbrauch. Viele sprachen im Rahmen der Hotline erstmals über die schrecklichen Erlebnisse, die älteste Anruferin war 90 Jahre alt. Den meisten geht es weniger um Geld, sondern sie nehmen die Chance wahr, erstmals in ihrem Leben als Opfer gesehen zu werden und sich zu vernetzen. Manche wünschen sich auch eine schlichte Entschuldigung von ihrer/m PeinigerIn.

Kirche kann sich nicht selbst kontrollieren
Die neue, von Alt-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic geleitete Kirchenkommission wird von der Plattform abgelehnt: „Sie ist von der Kirche beauftragt, bezahlt und gelenkt. Was soll also dabei herauskommen?“ fragt Klaus Fluch von der „Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“. Eine Institution könne sich nicht selber kontrollieren, schon gar nicht, was Verbrechen eines derartigen Ausmaßes betrifft. „Klasnic ist eine Täter-Beauftragte, keine Opfer-Beauftragte“, bringt es Sepp Rothwangl, Leiter einer weiteren Betroffenen-Gruppe auf den Punkt. Es könne nicht sein, dass die Kirche sich eine Kommission nach eigenen Gutdünken zurechtlege. Der von Christoph Schönborn bestellten Klasnic wirft die Plattform zu große Kirchennähe vor, immerhin ist sie Vorsitzende der „Freunde des Grazer Priesterseminars“. Gefordert wird hingegen eine unabhängige Kommission nach irischem Vorbild.

Kircheneigene Kommission soll intern agieren
Stattdessen könnte die kircheneigene Kommission – unter Leitung der überzeugten Katholikin Klasnic – dazu beitragen, dass die internen Rahmenbedingungen, die zu den Übergriffen beigetragen haben, sowie die systematischen Vertuschungsstrukturen aufgearbeitet werden. Auch soll die kirchliche Sexualmoral endlich an das 21. Jahrhundert angepasst werden – Stichwort:  Rolle der Frauen, Zölibat, Aufklärung, Verhütung.

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