Missbrauchsopfer klagt Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales auf Schadenersatz

(PM) Missbrauchsopfer klagt Kongregation der Oblaten des hl. Franz von Sales auf Schadenersatz
Trotz jahrelangem Missbrauch u.a. in „Religions-Nachhilfestunde“: Kircheneigene Klasnic Kommission hatte nur Almosen für Opfer übrig.

(Wien, 12.4.17, PUR) Ein neuer Fall von sexuellem Missbrauch bringt die katholische Kirche in Bedrängnis: Der ehemalige Schüler besuchte in den 70er Jahren das Dachsberger Gymnasium der Oblaten des hl. Franz von Sales. In den Jahren 1976 bis 1978 sei er Opfer regelmäßiger körperlicher und sexueller Gewalt zweier Pädagogen der Schule geworden. Im Alter zwischen 9 und 12 Jahren habe er regelmäßige orale Vergewaltigungen und andere sexuelle Übergriffe sowie Schläge durch Pater Josef P. und Pater Josef B. über sich ergehen lassen müssen. Beide waren als Lehrer und Erzieher an der Schule tätig, letzterer sogar als Rektor. Sie seien äußerst brutal vorgegangen und hätten einander bezüglich der Vorwürfe gedeckt.

Zwtl: „Nachhilfe in Religion“
Mit dem Argument, der Schüler müsse für seine unbefriedigende sportliche Leistung und seine mangelnde Fußballbegeisterung „bestraft“ werden, habe Josef P. regelmäßig orale Penetration am Zögling vorgenommen, so der Kläger. „Ich bin gezwungen worden, an privaten Religions-Nachhilfestunden teilzunehmen und habe dabei auf dem Schoß des Rektors und Lehrers Pater Josef B. sitzen müssen, der unter seinem Talar nackt war. Er habe mich unsittlich berührt und mich zum Oralsex gezwungen. Mir hat so geekelt vor dem Priester“ sagt das Opfer heute.

Zwtl: Krebsdiagnose mit psychosomatischer Ursache?
Im Alter von 22 Jahren brach beim Betroffenen Kehlkopfkrebs aus, ihm wurde ein Stimmband entfernt. Mit einer solchen Diagnose war der Betroffene der jüngste Patient in Österreich – der Altersdurchschnitt der Kehlkopfpatienten lag damals bei 60 Jahren. Sein behandelnder Arzt vermutete schon damals dass seine Krankheit eine psychische Ursache haben könnte. Wegen immer wieder vorgenommenen Operationen, des Stimmverlustes, Luftmangels und der durch die eingesetzte Trachealkanüle körperliche Beeinträchtigung konnte das Opfer mit 41 Jahren seinem Beruf nicht mehr nachgehen und war gezwungen, wegen Berufsunfähigkeit in Invaliditätspension zu gehen, er konnte seine Familie nicht mehr erhalten. Das Missbrauchsopfer bekam schwere Depressionen, die eine psychotherapeutische Behandlung notwendig machten, in der er begann, über das Erlebte zu sprechen.

Zwtl: Ein Täter immer noch in Schule tätig
Aus den Medien erfuhr der Betroffene zufällig, dass einer seiner beiden Peiniger, Pater Josef P., immer noch im Erzieherdienst an einer der Ordensschulen in Essen (D) tätig sei. Diese Nachricht löste bei ihm einen Schock aus und ließ in ihm das Verdrängte wiederaufleben. In Absprache mit seinem behandelnden Arzt wendete sich der Betroffene an die kircheneigene Klasnic-Kommision. Nach erfolgter Anerkennung als Opfer erhielt er neben der Zusage für 30 Therapiestunden, EUR 15.000, was angesichts der langen Krankengeschichte und des Leidensweges des Opfers, seiner frühzeitig
Pensionierung wegen Invalidität, nur einen Bruchteil der tatsächlich erlittenen Schäden und Kosten abdeckte. Nun bringt er Schadenersatzklage beim LG für ZRS in Wien in der Höhe von EUR 220.000.- ein.

Zwtl: Aufruf zur solidarischen Prozessfinanzierung
Die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt begleitet das Opfer bei dieser Klage ersucht aber dringend um Unterstützung bei der Prozessfinanzierung, da der Betroffene sich die Klage selbst nicht finanzieren kann. Bei positivem Prozessausgang wird der Betrag refundiert.

Konto Rechtshilfe-Solidaritäts-Fonds
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